Magura Bremse

Bremsschlauch gelöst
Kräftiges Bremsen, zum Glück beim Taxiing passiert, löste einen Bremsschlauch. Der Bremsschlauch
wurde vom Vorbesitzer offensichtlich nicht wie vorgesehen richtig auf den Tannenzapfen des
Banjo Anschlusses gesteckt (Schauch einspannen ohne ihn oval zu drücken und dann den
Tannenzapfen aufpressen/schlagen oder gleich ein spezial Einpresswerkzeug verwenden) sondern der Bremsschlauch wurde wahrscheinlich mit
Heissluft weich gemacht und von Hand aufgesteckt. Zur Abdichtung wurde eine kleine
Schlauchschelle verschraubt. Das Konstrukt hatte sich gelöst.
Bremsleistung mangelhaft
Nach dem beidseitgem Einziehen neuer Bremsleitungen (richtig aufgepresste Anschlüsse)
war das System dicht. Die Bremswirkung war aber immer noch mangelhaft, die Beläge nutzten
sich schnell ab, der Handbremshebel musste oft nachgestellt werden. Das Entlüften
ohne brauchbare Nippel, Anweisungen und Möglichkeiten, i.B. beim Handbremshebel
(Bremsgeber) bestätigten die allgemein negativen Meinungen zur Magura Bremse.
Neues Bremssystem teuer
Damit kann bzw. musste man sich arrangieren (wie ich dachte) und eine völlig neue Bremse
wurde ins Auge gefasst. Die Kosten schreckten jedoch ab sodass ich gezwungen war
den Problemen gründlich auf den Grund zu gehen. Es kann doch nicht sein, dass
Konstrukteure vom Werk aus eine zu schwache Bremse vorsehen.


Bremsscheiben
Die verbauten 6 Loch Bremsscheiben waren von Shimano, 1,8mm stark mit
hohem Schlitzanteil. Die Bremsscheiben waren auf den Abstandshalter, welcher direkt mit der geteilten
Felge verschraubt ist, vernietet, was ein Austauschen der Bremsscheibe
sehr aufwendig macht. Ein innenliegender Ring aus starkem Aluminium mit M5
Gewindebohrungen, passend zu 6-Loch Bemsscheiden, ermöglicht jetzt das
üblicherweise Anschrauben der Bremsscheibe an den Abstandshalter ohne dass dadurch
die Felge auseinandergenommen werden muss. Damit der Gewindering beim Abschrauben der
Bremsscheibe in Position bleibt, wurde er mit 2 kleinen Nieten an passenden
Stellen angenietet. Jetzt kann eine Bremsscheibe relativ einfach getauscht werden,
dass diese lagerichtig eingebaut wird ist selbstverständlich (Laufrichtungspfeil
auf der Bremsscheibe beachten).
Die Bremsbeläge reichten nicht bis zum Rand der Scheibe und lagen ca. 3mm innerhalb
des Reibrings. Das konnte nicht original sein - oder doch? Für die Big Bremszangen
sind 2mm dicke Bremsscheiben von Magura vorgesehen mit einer Reibringbreite von 17,5mm,
also genau passend für die zwar dünn belegten aber relativ hohen Bremsbeläge (17mm).
Da bleibt nicht viel Spielraum um die Bremsbeläge genau auf den Reibring zu bekommen.
Trägerplatte, Bremszange und Bremsbelag wurden vermessen und mit CAD gezeichnet um entsprechende notwendige Änderungen zu ermitteln.
Trägerplatte
Die vorhandene Trägerplatte positionierte die Bremszange um ca. 2mm zu weit nach
innen und der Bremsbelag lag nicht genau tangential zum Reibring (ca. 2Grad Abweichung).
Also neue Trägerplatte entsprechend der CAD Zeichnung angefertigt, Original Magura Bremsscheibe an den Radfelgen Abstandshalter geschraubt (war ja vorher vernietet) und alles zusammengebaut. Jetzt liegt der Bremsbelag genau auf dem Reibring. Der Bremshebel mit Feststeller musste durch leichtes Ablassen von Bremsöl (durch die dünneren Scheiben war zuviel Öl im System) justiert werden. Nach dem Einbremsen hatte man jetzt ausreichende Bremswirkung, selbst beim 4000 U/min RunUp - mehr kann man sich nicht wünschen.
Bremshebel 831
Das Problem der mangelhaften Entlüftungsmöglichkeit bestand noch. Nach langem
Überlegen und ausgiebigem Kontakt mit einem Magura Mitarbeiter
stellte sich heraus, dass der verwendete Bremshebel 831 ein frührerer Bremsgeber für hydraulische
Felgenbremsen ist. Die beiden Anschlüsse am Bremsgeber sind auch nicht für den direkten
Anschluss von zwei Bremsleitungen vorgesehen sondern ein Anschluss wäre zum Entlüften gedacht,
der Andere mittels T oder Y Stück sollte die zwei Big Bremszangen versorgen. Magura kennt
das Problem des Entlüftens. Deren Methode geht immer von einem Fahrradsystem aus welches
beim UL so nicht anwendbar ist. Deshalb gibt es von Magura auch keine passenden
Verschluss- Entlüfter- und Befüllnippel.
Entlüfter-Nippel
Das lässt sich mit einem modifizierten Nippel (Spezial Entlüfter- Nippel) lösen.
Mit einem handelsüblichen Entlüfternippel M6 für die
Bremszange und den den Bremsgeber die ein konisches Ende und eine seitliche Bohrung haben.
Damit kann geöffnet und geschlossen werden um zu Befüllen und/oder Entlüften und/oder
Ablassen. Die Gewindeanschlüsse M6 gehen bis nach aussen, das macht
das Abdichten des Gewindes schwierig bis unmöglich. Gerade beim Entlüften wird abwechselnd gedrückt
und etwas gesaugt. Wenn dann bei geöffnetem Nippel und aufgesteckter Spritze das
Gewinde nicht dicht ist, wird Luft über das Gewinde angesaugt, umgekehrt wird Öl über das Gewinde
herausgedrückt.
Ein O-Ring an entsprechender Position des Gewindes des Nippels hilft etwas, besser jedoch ist es, wenn zusätzlich das innenliegende Gewinde, welches den Entlüfter Nippelder haben soll 2 mm tief zylindrisch aufgebohrt ist. Darin kann der Dichtring das Gewinde abdichten. So kann ordentlich und sauber entlüftet/befüllt/abgelassen werden. Details siehe in unten verlinkter ausführlicher TI - bitte lesen bevor man Hand an die Bremse und vor allem an die Gewinde anlegt.

Allgemeines zu Magura und anderen Bremsen
Heute sind die modernen UL Bremsen (i.d.R. nur noch hydraulisch) weitgehend
in der Radfelge verbaut um schlanke Räder/Radverkleidungen zu ermöglichen. Dadurch sind
die Bremsscheibendurchmesser deutlich kleiner als z.B. die 180mm der Magura Bremse.
Durch den geringeren Hebelabstand der Bremsbeläge zur Radnabe benötigt man eine
andere Abstimmung der Bremsdrücke und/oder Belagbreite und/oder Bremsscheibendicke
und/oder Übersetzungsverhältnisse und auch beim Bremsgeber. Einige UL haben
ungelenkte geschleppte Bugräder sodass die beiden Haupträder getrennt gebremst
werden, z.B. durch Fussbremsgeber.
Solche Bremsen sind kompakter und massiver gebaut was aber vor Allem auf die vorgenannten Bedingungen zurück zu führen sind. Moderne Systeme sind auch i.d.R. noch etwas kräftiger weil sie auch für die gewichtserweitere 600 kg Klasse zugeschnitten sind.
Was braucht man wirklich
Unter dem Strich geht es aber darum leichte, den Anforderungen gerechte Bremsen
zu haben. Wenn's geht so leicht wie möglich, wartungsarm und was leider kaum mehr gegeben
ist auch noch preiswert. Das Magura System, wenn man es mal technisch durchrechnet
(Geberkolben, Nehmerkolben, Reibfläche, Übersetzungsverhältnisse), ist für die 472,5 Kg
Klasse, wenn es richtig verbaut ist, ausreichend. Auch der Wartungsaufwand ist
einfach und gering, die Beläge sind preiswert, ja vergleichsweise schon lächerlich billig
im Vergleich zu modernen UL Bremsen. Der Feststeller am Handbremshebel ist genial einfach,
ein Parkbremsventil entfällt. Nachteilig ist das geschlossene System bei Magura aber
das einfache Nachstellen des Bremshebels ist vernachlässigbar wenn man einen kleinen
Imbus Schlüssel mit sich führt oder gleich eine lange M4 Rändelschraube eingedreht hat.
Und wenn man richtige Entlüfteranschlüsse und Nippel hat geht die Wartung sauber von der Hand.
Das schlechte Image der Magura Bremse kommt vom schlampigen Einbau
(Geberkolben ohne Entlüfteranschluss, keine vernünftigen Entlüfternippel, falsche Bremsscheiben
und ungenaue Positionierung der Bremszange).
Begehrlichkeiten
Natürlich sehen die moderen Bremssysteme professioneller aus und niemand wird in ein
600Kg UL alte Technik einbauen. Möglicheweise kann man auf dem Markt einen Teil
der Investition in eine neue Bremse zurück bekommen. Technisch ist es aber für
ältere UL, wenn die Magura Bremse richtig saniert ist, nicht nötig.
Um die richtige Montage und Wartung der Magura Bremse herunter zu laden klicken sie hier:
Magura Bremse
